Vom Kirchenchor zur Domkantorei Altenberg

Ein kurzer Abriss der Geschichte des Chores, verfasst von Sigrid Eberle

Die Anfänge

Johannes Eschen

Der erste Kirchenmusiker der jungen Evangelischen Gemeinde Altenberg war Johannes Eschen. Er kam 1953 an den Dom. Schon bald sammelte er einen Kreis von Sängerinnen und Sängern um sich: der Evangelische Kirchenchor Altenberg wurde gegründet. Auf dem Programm standen Choralsätze sowie Psalmen von Schütz, Distler und Walter. 

Mit Siegfried Scheytt, der 1956 Johannes Eschen ablöste, bekam der Chor deutlichen Zuwachs von Musikbegeisterten aus Schildgen. Besonders erfreulich: Viele Jugendliche sangen mit und begleiteten den Chor mit Orffschen Instrumenten. 

Otfried Miller

Zwei Jahre später, 1958, kam Hans Jürgen Sprung als Organist und Chorleiter nach Altenberg. Es ist überliefert – leider ohne Namenslisten – dass der Chor zu dieser Zeit 25 Personen zählte und die Gottesdienste und auch die Christvespern gestaltete.

1967 übernahm Otfried Miller die Stelle des Kirchenmusikers und Chorleiters. Neben den chormusikalischen Aufführungen begründete er auch die Tradition der großen Orgelkonzerte im Dom.

Die Entwicklung

Volker Hempfling

Die relativ häufigen Wechsel in der Chorleitung endeten 1972. Am Erntedankfest des Jahres wurde Volker Hempfling als Kirchenmusiker in Altenberg eingeführt und aus dem Kirchenchor wurde die „Domkantorei Altenberg“. Die Mitgliederzahl wuchs bald auf 60 an, und der Chor war nun bereit und in der Lage, auch größere Werke einzustudieren. 1975 wurde zum ersten Mal das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach in einem überfüllten Dom aufgeführt. Diese Tradition hat sich bis heute erhalten und gehört für viele – nicht nur Altenberger – jedes Jahr zum festen Programm der Adventszeit.

Im Laufe der nächsten Jahre wurden immer mehr große Werke in Angriff genommen. Dabei gelang es dem Dirigenten – zugegebenermaßen erst langsam und schwierig, dafür dann aber lang anhaltend und intensiv – seine eigene besondere Liebe für moderne Kompositionen der Gegenwart auch auf den Chor zu übertragen. Lebhaft in Erinnerung sind den Beteiligten die verschiedenen Chorreisen ins Ausland geblieben. Vor allem die Auftritte in Holland und in Polen haben ihren ganz eigenen Beitrag zur Völkerverständigung im sich formierenden Europa geleistet. Volker Hempfling leitete die Domkantorei insgesamt 25 Jahre.

Es geht weiter

Andreas Meisner;
Foto: Roland Neumann

1998 übernahm Andreas Meisner, der schon seit 1985 als Domorganist in Altenberg tätig war, die Leitung der Domkantorei. Zusammen mit seinen beiden anderen Chören, dem Oratorienchor Köln und dem Kleinen Chor Köln, den er bis 2013 leitete, konnte er seine Leidenschaft, die großen monumentalen Werke der Kirchenmusik, realisieren.

Neben anderen sind in dieser Reihe besonders zu erwähnen die Zweite Symphonie von Gustav Mahler, die sogenannte „Auferstehungssymphonie“, die in Klausenburg (Rumänien), in der Kölner Philharmonie und in Altenberg aufgeführt wurde, sowie das Requiem von Hector Berlioz mit über 200 Musizierenden, zu dem viele Besucher des Kirchentages in Köln nach Altenberg kamen. Nicht zuletzt ist die Aufführung des Requiems von Giuseppe Verdi im Jahre 2013, das wegen der großen Nachfrage sogar zweimal gegeben wurde, allen Beteiligten unvergesslich.

In guter Erinnerung sind auch die zahlreichen besonderen Gottesdienste, bei denen die Domkantorei mit Chorälen, Motetten und Kantaten den festlichen Charakter unterstreichen konnte. Chorreisen, z. B. nach Klausenburg, Berlin und zuletzt nach Canterbury, sind nicht nur musikalische Höhepunkte, sie fördern auch den Zusammenhalt im Chor.

So ist es heute

Nach wie vor ist die musikalische Gestaltung von Gottesdiensten im Altenberger Dom und in der Andreaskirche Schildgen zentrales Anliegen des Chores. Daneben nimmt die Erarbeitung und Aufführung geistlicher Konzerte einen breiten Raum ein.

Neben dem traditionellen Weihnachtsoratorium im Altenberger Dom werden jedes Jahr zwei bis drei größere Konzertprogramme erarbeitet. Assistenz-Organistin ► Kornelia Kupski sorgt für professionelle Stimmbildung.

Die Basis für große Werke wird gerne zu Jahresbeginn in einem Probenwochenende voll intensiver Arbeit und lockerer Geselligkeit gelegt. Die konzentrierte Arbeit in den wöchentlichen Proben endet etwa vierteljährlich in einen geselligen Ausklang. 

In der Domkantorei singen derzeit etwa 100 Damen und Herren.
Interessenten finden Anknüpfungspunkte unter ► ‘WOLLEN SIE MITSINGEN?’